Sprache und Migration - Ein Syrer erzählt: Tugend der Vielfalt - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Sprache und Migration - Ein Syrer erzählt: Tugend der Vielfalt

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Sprache und Migration
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Sprache und Migration Integration in Deutschland und Migranten - Abu Salem berichtet seinen Glauben

Ein Syrer erzählt

Der Glaube an die Tugend der Vielfalt

Seit 20 Jahren lebt der Syrer M. Abu Salem in Deutschland. Er ist mit einer Deutschen verheiratet und hat zwei Kinder. Geboren nahe Damaskus, schreibt der Autor in Migmag regelmäßig über seine zweite Heimat, seine Sehnsüchte und die Schönheit der Stille.
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Ich bin Moslem und lebe in Deutschland,
bete fünfmal am Tag und ich glaube, dass Gott, der Barmherzige, alles machen kann.

Ich glaube, wenn Gott es gewollt hätte, hätte er uns alle als eine Gemeinde erschaffen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es sein Zeichen für uns ist, dass wir so viele unterschiedliche Sprachen, Hautfarben und Lebensarten haben.

Ich glaube, dass sich ein großer Sinn hinter diesen Unterschieden verbirgt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es keine Zukunft für die Menschheit ohne gegenseitige Anerkennung, Respekt und Zusammenarbeit gibt.

Ich glaube, dass ich Deutschland liebe. Seine Wälder und Täler; die Ordnung und die wunderbaren Menschen, denen ich schon begegnet bin.

Ich bin fest davon überzeugt, dass ich hier viele gute Sachen gelernt habe, und dass unsere Kulturen sich gegenseitig bereichern.

Ich glaube, dass es keine einzige Kultur, Sprache und Wissenschaften gibt, die nicht positiv von anderen Kulturen, Sprachen und Wissenschaften beeinflusst wurde und daraus gelernt hat.

Die Menschheit hat gemeinsame Dichter und Denker, die uns alle ansprechen, wie Goethe, Schiller und Gibran.

Ich glaube, dass viele von uns, wenn sie die richtige Gelegenheit bekommen, Dichter, Denker und Erfinder werden. Es ist egal, ob ihre Hautfarbe braun, schwarz oder weiß ist.

Ich bin fest davon überzeugt, dass in meinem Herzen als Moslem kein Platz ist für Hass auf meine Mitmenschen. Liebe und Hass können nicht in einem Herzen Platz finden.

Ich glaube, dass es eine Schandtat ist, dass jemand dem Land, das ihn empfing und das ihm eine Lebensperspektive bot, schadet oder es gefährdet.

Ich wünsche mir, dass ich viele Deutsche in meinem Herkunftsland als Gäste empfangen kann, um ihnen zu zeigen, dass wir sehr gastfreundlich sind und keine Terroristen und Fanatiker.

Ich glaube, dass die Welt ohne Deutschland, seine Sprache, seine Erfindungen und seine Dichtung und Literatur, viel ärmer wäre.

Ich glaube, das Vertrauen und der Frieden sind die größten Opfer der Unterdrückung, der Ausbeutung und des Terrorismus.

Ich bin davon fest überzeugt, dass es keine Gewinner geben kann in einer Welt, in der das Vertrauen füreinander verloren geht; in einer Welt, in der der Hass und das Misstrauen und die scheinbare Überlegenheit Einzelner herrscht.

Wie schön, wenn man die Welt mit anderen Augen sieht, wenn man andere Sprachen spricht und versteht und die Welt in ihrer  unermesslichen Vielfalt erlebt. Ist das nicht ein Reichtum für uns alle?


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Autor: M. Abu Salem, 05.12.2010

Fotos: Gras ©by Helmut Salzerr/www.pixelio.de
Foto M.Abu Salem ©by Ulle Rössler

 
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