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Sprache und Migration - theaterperipherie

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Sprache und Migration
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Integration in Deutschland und Migranten - Sprache und Migration - Theaterperipherie



Ein Leben ohne Pass

"theaterperipherie" in Frankfurt am Main inszeniert den Abend "Illegal" - und sammelt Auszeichnungen für ein außergewöhnliches Konzept

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"In Europa schwanken wir zwischen dem Gefühl der Bedrohung durch illegale Migration", sagt die Regisseurin Ute Bansemir, "und dem Mitleid und  Wunsch zu helfen." Diese Spannung habe sie ebenso interessiert "wie die paradoxen Gesetze, die aus dieser Ambivalenz entstehen". Das Stück "Die im Dunkeln" ist der zweite Teil des Abends "Illegal", der neben "Warten auf Godot" (Regie Peter Eckert) am 24. Oktober 2010 in "sankt peter" in Frankfurt am Main seine Premiere hatte und von Presse  und TV hoch gelobt wird.

Die FAZ vom 27.10. 2010 schreibt: "... so schlicht und sinnfällig sind die Brutalität und der Glanz der "ersten" Welt und das Flüchtlingsdrama jener, die dort gern hinkämen, in Becketts Stück dargestellt. Dass es dabei weder an vieldeutigem Reiz einbüßt noch die Komik verliert, ist die Stärke dieses ganz und gar nicht peripheren Theaterabends." Und der Kultursender 3sat jubelte sechs Tage vorher: "... die Inszenierung überzeugt, weil die Darsteller mit voller Präsenz und Kraft die Sicht von Illegalen zeigen, die nicht als Opfer wahrgenommen werden wollen, sondern sich mit viel Geschick und Klugheit an die Mehrheitsgesellschaft anpassen. Es sind Flüchtlinge, die nie ihre Hoffnung auf ein besseres Leben aufgeben."

"Die im Dunkeln" ist ein Theaterprojekt über Menschen ohne Papiere. Die Textfassung entstand aus Interviews und Recherchen, darunter auch in Calais, einer Stadt in Nordfrankreich, von wo aus viele Migranten ohne Papiere versuchen, nach England zu gelangen. Ein Jahr recherchierte Ute Bansemir zusammen mit Wolf Perina zum Thema illegale Einwanderer. Sie interviewten Organisationen wie Pro Asyl oder Donna Carmen, die sich mit der Flüchtlingsthematik beschäftigen. Daneben traf die studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaftlerin Menschen, die im illegalen oder geduldeten Status leben. Aus diesen Erfahrungen entstanden einzelne Szenen und, in Zusammenarbeit mit Wolf Perina, szenische Texte.

In der Regiearbeit waren der 27jährigen zwei Dinge wichtig: Das Vermeiden der Darstellung der Illegalen als reine Opfer und die Betonung des Alltags als einen Kampf der zum Überleben größte Stärke verlangt. Die europäische Perspektive bleibt erhalten. Ute Bansemir: "Wir versuchen durch Gesetze Migration zu kontrollieren und auch zu bewerten, wer hier bleiben darf und wer nicht." Die Frage sei, ob das immer alles steuerbar ist "und auch mit welchem Recht wir das steuern dürfen."

Integration in Deutschland und Migranten - Sprache und Migration - Theaterperipherie Projekt illegal


Das Stück an der theaterperipherie stellt Fragen. Wie genau sieht das Leben ohne Papiere aus? Was passiert, wenn man einen Arzt aufsuchen, zur Schule gehen, ein Fest veranstalten möchte? Wie kann auf der Bühne mit der "Unsichtbarkeit" illegaler Einwanderer umgegangen werden? Welche Kollektive gibt es, also wann können Illegale als eine Gemeinschaft betrachtet werden, was teilen sie miteinander außer Schlaflosigkeit? Und wann sind Illegale allein?

Das Theaterprojekt "Die im Dunkeln" fokussiert die Ambivalenz zwischen den Hoffnungen, die "illegale" MigrantInnen einerseits mitbringen, und den Strategien und Tricks des Tarnens, die sie einschlagen müssen, um im neuen Leben bestehen zu können.
Regisseurin Ute Bansemir setzt auf relativ unerfahrene Laien. Ihr war ein sehr "gemischtes" Ensemble wichtig. Das acht-köpfige Ensemble besteht aus sieben verschiedenen Nationalitäten im Alter zwischen 16 und 30 Jahren, die meisten von ihnen besitzen einen deutschen Pass, stammen ursprünglich aus Marokko, Kenia, Äthiopien, Griechenland, Kurdistan und dem Irak.

Seit vier Spielzeiten beschäftigt sich das von Alexander Brill gegründete Theater mit dem Thema Migration und Integration. Im Jahr 2010 wurde theaterperipherie mit drei Auszeichnungen gewürdigt, unter anderen mit dem Hessischen Integrationspreis.

Ein Auszug aus der Begründung der Jury für den Hessischen Integrationspreis:

"Seit seiner Gründung im Jahr 2008 ist das 'theater peripherie' ein weit über Frankfurt hinaus wirkendes Projekt, das die künstlerische Gestaltung von Erfahrungen aus Migration und Integration in den Mittelpunkt stellt und ein Ort der Begegnung von Deutschen und Migranten sein möchte. Gründer und Leiter der Maßnahme ist Alexander Brill, der es auf vorbildliche Weise versteht, ein integratives Ensemble aus Laienschauspielern und künstlerischem Nachwuchs zu formen, das Integrationsthemen nicht nur künstlerisch anspruchsvoll behandelt, sondern darüber hinaus bei mitwirkenden und Publikum einen Reflexionsprozess anstößt.

Die Auszeichnung erfolgt für das große private Engagement, das - gepaart mit ausgeprägtem künstlerischem Anspruch - ein authentisches, kulturverbindendes Theater ermöglicht, das fernab von jeglichen Klischees auch brisante gesellschaftliche Themen hochgradig professionell umsetzt."



Weitere Informationen unter: www.theaterperipherie.de

Fotos: © Seweryn Zelazny


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