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Sprache und Migration - Ein Syrer erzählt: Moskitos und verrottete Bleche

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Sprache und Migration
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Sprache und Migration Integration in Deutschland und Migranten - Abu Salem berichtet über Freundschaft

Ein Syrer erzählt

Von Moskitos und verrosteten Blechen

Seit 20 Jahren lebt der Syrer M. Abu Salem in Deutschland. Er ist mit einer Deutschen verheiratet und hat zwei Kinder. Geboren nahe Damaskus, schreibt der Autor in Migmag regelmäßig über seine zweite Heimat, seine Sehnsüchte und die Schönheit der Stille.
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Ich habe viele Immigranten getroffen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland kamen.


Ich habe Männer getroffen, die vor ihren Ehefrauen und Frauen, die vor ihren Männern geflüchtet sind.


Ich kenne Menschen, die vor dem Krieg geflüchtet sind und Menschen, die um ihr Leben bangen mussten.


Ich traf Menschen, die ihren Träumen und Wünschen nachgelaufen sind, bis sie in Deut-
schland gelandet sind und Menschen, die hierherkamen, weil sie sich verliebt haben.


Aber heute habe ich zwei sehr merkwürdige Immigranten getroffen.

Einer erzählte mir, er sei vor den Moskitos geflüchtet, die ohne Unterlass sein Blut saugten. Später nannte er seinen Arbeitgeber nach einem Streit auch Moskito.

Der andere flüchtete vor der Sonne und der unerträglichen Hitze. Er hat einmal zu mir gesagt: "Sieh mal, wie ich aussehe. Ich sehe wie ein altes verrostetes Blech aus. Die Sonne hat mich so verbrannt. Ich will den Rest meines Lebens im Schatten der grünen bewaldeten Parks in Europa verbringen, im Schatten der Wolken und an den Ufern der wunderschönen Flüsse."

Mein deutscher Freund Ralf hat mir eines Tages erzählt, dass er deshalb so hart arbeitet und spart, weil er auswandern will. Er will mit seiner Familie in den Süden ziehen. "Ich will den Rest meines Lebens in der Sonne und unter dem blauen Himmel verbringen. Ich kann diese langen Winter und den ewigen grauen Himmel nicht mehr ertragen", sagte er mir.

Zum ersten Mal erkenne ich, wieso es die verschiedenen Himmelsrichtungen gibt. Warum es hier Wald und dort Wüste, warum es hier Schatten und dort Sonne, warum es hier reich und dort arm gibt.

Vielleicht, damit wir uns bewegen und zueinander finden?

Wir sind diejenigen, die ihren Träumen gefolgt sind, bis sie uns nach Deutschland geführt haben.

Wir sind die, die von Neugier und Wissensdurst getrieben wurden, bis wir hier ankamen.

Bist du der Traum für uns und wir sind der Albtraum für dich geworden, Deutschland?

Sind wir die Lösung oder das Problem?


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Autor: M. Abu Salem, 26.11.2010

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Foto M.Abu Salem: ©by Ulle Rössler

 
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