Sprache und Migration - Ein Syrer erzählt: Der Migrant - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Sprache und Migration - Ein Syrer erzählt: Der Migrant

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Sprache und Migration
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Sprache und Migration Integration in Deutschland und Migranten - Abu Salem berichtet über den Migranten Ahmed

Ein Syrer erzählt

Der Migrant


Seit 20 Jahren lebt der Syrer M. Abu Salem in Deutschland. Er ist mit einer Deutschen verheiratet und hat zwei Kinder. Geboren nahe Damaskus, schreibt der Autor in Migmag regelmäßig über seine zweite Heimat, seine Sehnsüchte und die Schönheit der Stille.
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Ahmed, der Migrant, hat große Sehnsucht nach seiner Heimat und seiner Familie.

Er hat auf der  Baustelle gearbeitet, Geld gespart und Geschenke gekauft.

Er wartet aufgeregt auf den Tag, an dem er nachhause gehen kann; man kann sich kaum vorstellen, wie glücklich er auf dem Weg zum Flughafen ist. Er ist ein glücklicher Mann, der alles Glück der Welt mit sich trägt.

Er freut sich auf das Wiedersehen und hat viele Geschichten darüber zu erzählen, was er in Deutschland gesehen und erlebt hat. Von einer so faszinierenden Welt, die anderen Regeln und Werten folgt.

Nach vier Wochen kehrt er zurück, ein sehr trauriger Mann mit gebrochenem Herzen, aus einem Ort, dem du viele Namen geben kannst, aber nicht "Heimat". Seine Rückkehr gleicht der eines Glücksspielers, der alles verloren hat.

"Was ist los Ahmed?", frage ich ihn. Nach langem Schweigen sagt er weinend: "Ich habe einen neuen Titel. Ich bin dort in meinem Dorf der Emigrant geworden".

So nannten ihn die Leute nun dort. Ein Fremder, der Geld bringt und bald wieder geht.

Hör zu, mein Freund! Wir wechseln zwischen zwei Welten, der hier und der dort. Wir sind hier Gastarbeiter und jeder Gast wird irgendwann wieder gehen wie er gekommen ist.

Ich bin der Immigrant, der auf dem Weg zu seinen Träumen und Sehnsüchten wandert, der zwischen hier und dort lebt. Ich bin verloren. Ich habe das Maß der Dinge verloren. Hier vermissen wir dort und dort vermissen wir hier. Denn wir haben ja auch hier gelebt und wir haben Erlebnisse und Erinnerungen.

Wir leben in einem Sehnsuchtszustand auf dem Weg zwischen zwei Welten. Auf diesem Weg fühlt man sich sesshaft. Auf dem Weg zum Flughafen oder im Zug fühlt man sich zuhause. Ich bin hier der Gastarbeiter und dort der Emigrant, der ab und zu mal kommt und bald wieder geht."

Als Ahmed dies alles gesagt hatte, hat er bitterlich geweint, und ich auch. "Ja, mein Freund, du hast Recht. Du hast genau das gesagt, was ich sagen will oder einmal gefühlt habe."

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Autor: M. Abu Salem, 06.11.2010

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Fotos M.Abu Salem ©by Ulle Rössler

 
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