Migration Länder-Reisen: Tomsk in Sibirien - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Migration Länder-Reisen: Tomsk in Sibirien



Impressionen

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Reisen
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Migration Integration in Deutschland und Migranten - Die Transibirische Eisenbahnstrecke führt an Tomsk vorbei


Die Stadt Tomsk auf einen Blick
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Geschichte
Die Geschichte der Stadt Tomsk ist mit dem Namen des Fürsten der Tomsker Tataren (die früher die Gegend bevölkerten) Tojan verbunden. Im Januar 1604 kam Tojan nach Moskau und bat den Zaren Boris Godunov, seinen Stamm in Schutz zu nehmen und für seinen Stamm eine russische Stadt zu bauen. Eine Kriegsfestung wurde gebaut, die Tomsk genannt wurde - nach dem Namen des Flusses Tom, an dessen rechtem Ufer die Stadt liegt. Am 7. Oktober des gleichen Jahres waren alle Bauarbeiten zu Ende und dieser Tag gilt als Gründungsdatum von Tomsk.

Die Bedeutung von Tomsk nahm im 17. und 18. Jahrhundert vor allem durch den Bau des sibirischen Trakts zu, der durch Tomsk führte. Im Jahr 1804 wurde Tomsk die Hauptstadt eines riesigen Verwaltungsgebiets. Das Wachstum der Stadt erhielt in den 1830er Jahren weiteren Auftrieb durch die Goldgewinnung in der Region.

Mit dem Bau der
Transsibirischen Eisenbahn verlor Tomsk allmählich an Bedeutung, da man sich mit dem Bau der Brücke über den Fluss Ob, welche 1898 fertig gestellt wurde, für einen Ort einige hundert Kilometer weiter südlich entschied. Aus diesem damals unbedeutenden Ort entwickelte sich die Großstadt Nowosibirsk.
Tomsk war nur durch eine Stichstrecke an die transsibirische Eisenbahn angeschlossen und verwandelte sich zwar in ein großes Handelszentrum, allerdings war dies nicht so groß und bedeutend, wie es hätte sein können. Denn die Tomsker verhinderten, dass die Transsibirische Eisenbahn durch ihre Stadt gebaut wurde, weil sie um ihre Ruhe fürchteten. Damit verloren sie auch den wirtschaftlichen Anschluss und Novosibirsk wurde die eigentliche Drehscheibe Sibiriens. Andererseits konnte die Stadt so ihren ursprünglichen Charakter bewahren.

Der Bedeutungsverlust von Tomsk zeigt sich auch in der Umstrukturierung der Verwaltung. Tomsk wurde nach der Oktoberrevolution von 1917 ein Teil der
Region Sibirien, später dann eine Stadt innerhalb des Oblast Nowosibirsk.

Heute ist Tomsk ein wichtiges Bildungszentrum. Man nennt es deswegen oft "Sibirisches Athen". Die Stadt Tomsk hat rund 501.784 Einwohner (Stand: 2009), davon etwa 85.000 Studenten und 13.000 Russlanddeutsche.

1970 wurde Tomsk zur
historischen Stadt ernannt, in der Zeit der Perestroika wurde sie schließlich wieder geöffnet. 2004 wollte die Stadt ihr 400jähriges Bestehen feiern. Diese Feierlichkeiten wurde aber von der Geiselnahme von Beslan, bei der tschetschenische Terroristen mehr als 1100 Kinder und Erwachsene in einer Schule im nordossetischen Beslan in ihre Gewalt brachten, überschattet und abgesagt.


Das Wappen


Das Wappen der Stadt stellt ein silbernes Pferd auf grünem Grund dar. Die Entstehung dieses Wappens ist eng mit der Geschichte der Stadt verbunden.

Das Fuhrwesen war die Hauptbeschäftigung der Einwohner, weil Tomsk zwei Handelsstraßen hatte, den Moskauer und den Irkutsker Trakt. Die Festung Tomsk verwandelte sich in ein großes Handelszentrum. Es war schwer, sich ein Leben ohne Pferde vorzustellen. Drei bis vier Pferde hatte fast jede Familie. Die sibirischen Züchter zählten in Russland zu den besten. Dies erklärt das Erscheinen eines Pferdes im Wappen von Tomsk.

Warum aber ist es weiß oder versilbert? Weiß symbolisiert Reinheit und Edles. In Sibirien steht es auch für den Schnee, der hier sechs bis acht Monate im Jahr die Erde bedeckt. Das grüne Feld stellt den immergrünen Nadelwald dar. So sind Weiß und Grün die Hauptfarben von Sibirien.

Migration Integration in Deutschland und Migranten - Reisen, Tomsk in Sibirien - Impressionen der Landschaft


Sibirien
Sibirien bezeichnet im weiteren Sinn den asiatischen Teil Russlands, zwischen dem Ural im Westen und dem Pazifischen Ozean im Osten. Im engeren Sinn ist damit das Territorium Chanat Sibir gemeint, das Ende des 16. Jahrhunderts von Moskau erobert wurde, ohne die Großregion Ferner Osten.
Die Kolonisierung des sibirischen Raums begann im Auftrag von Zar Iwan dem Schrecklichen (1530 - 1584).
Sibirien ist 27mal größer als Deutschland. Die Fläche Sibiriens beträgt ca. 10 Mio. Quadratkilometer (Deutschland 356.910 Quadratkilometer).
In Sibirien leben 30 Mio. Einwohner. Die Oblast Tomsk besitzt die Größe der Bundes-republik Deutschland.


Klima - kalt und heiß
Das Klima in Sibirien ist rauh, scharf kontinental. Die Durchschnittstemperaturen im Januar betragen zwischen -19 und -25 C°, im Juli zwischen 18 C° und 20 C° (im Tomsker Gebiet).
Wegen des rauhen Klimas und der Entfernung von zentralen Gebieten galt Sibirien als idealer Verbannungsraum. Lange Zeit diente Tomsk als eine Verbannungsstätte für russische Revolutionäre. Später wurde Tomsk ein Zentrum revolutionärer Studenten und der Arbeiterbewegung. Hier lebten und wirkten die ältere Schwester Lenins, Anna Uljanowa, und ihr Mann.


Bäume
Die Wälder Sibiriens sind reich an Birken, Fichten, Lärchen, Zirbelkiefern und Edeltannen. Die Sibirische Kiefer, die im Russischen Kedr genannt wird, aber nicht mit den Zedern verwandt ist, besitzt fünf lange Nadeln in einem Büschel (die Waldkiefer dagegen nur zwei), erreicht eine Höhe von maximal 60m und ein Alter von über 500 Jahren.


Die Samen ihrer Zapfen werden "Brot der Taiga" genannt, denn sie enthalten bis zu 60% Fett und etwa 20% Eiweiß und sind daher sehr nahrhaft.
Die Samen der Zirbelkiefer reifen mehr als 2 Jahre und daher wirken sich kalte und feuchte Sommer nicht nur auf eine, sondern auf zwei Ernten in Folge aus.
Eine gute Ernte wiederholt sich nur in Abständen von sechs bis zehn Jahren, aber dann lassen sich mehr als 300 kg Samen pro Hektar sammeln.

Migration Integration in Deutschland und Migranten - Tomsk bietet viele kulturelle Highlights


Die Holzbaukunst in Tomsk
Tomsk ist keine typische und standardisierte Stadt. Das alte Tomsk weist eine Vielzahl wertvoller Holzfassadenschnitzereien auf. Die meisten Straßenfassaden der historischen Viertel sind mit dem Durchbruchschnitzwerk verziert, das diesen Stadtbereichen ein eigenes Kolorit und eine besondere Atmosphäre gibt. Gerade durch diese schönen Holzhäuser mit Schnitzereien an Fenstern und Dächern unterscheidet sich Tomsk von anderen Städten Russlands.




Verkehr
Tomsk verfügt heute über einen Hauptbahnhof und ist so an die Eisenbahnstrecke Taiga-Bely Jar angeschlossen. Es gibt einige weitere Haltepunkte der Vorort- und Regionalzüge im Stadtgebiet. In Taiga besteht Anschluss an die Transsibirische Eisenbahn. Im Jahre 1967 eröffnete der Tomsker Flughafen Bogaschowo, welcher heute von mehreren Fluggesellschaften bedient wird. Die russische Staatsstraße ("Automagistrale der Russischen Föderation") M53 "Baikal" von Nowosibirsk nach Irkutsk führt durch Tomsk.

Der Verkehr innerhalb der Stadt erfolgt durch Oberleitungsbusse (Trolleybusse) und normale Busse sowie wenige Straßenbahnlinien, vor allem aber durch Mikrobusse, also kleinere Busse, die ebenfalls einem bestimmten Linienweg folgen und etwas teurer sind als die Trolleybusse.
Diese Busse halten auf Handzeichen von Fahrgästen, die aus- oder einsteigen wollen, zumeist an festen Haltestellen.



Goldminen in Tomsk
Mit der Entdeckung von Goldminen in den 1830ern und dem Anschluss an die Transsibirische Eisenbahn wuchs die Bevölkerung rapide an. Die Oblast schließlich wurde 1944 gegründet. Aufgrund der großen Ölvorkommen im Gebiet haben sich in Tomsk viele ölfördernde- und verarbeitende Unternehmen angesiedelt.

Migration Integration in Deutschland und Migranten - Reisen nach Sibirien in die Region Tomsk - gezeichnetes Gesicht


Russlanddeutsche
13.000 Deutschstämmige leben heute im Gebiet Tomsk. Sie sind Nachkommen deutscher Kolonisten, vor allem aber Töchter, Söhne, Enkel und Urenkel deutscher Siedler, die vor 65 Jahren aus dem Wolgabiet und anderen Regionen Russlands hierher gebracht worden waren. Die Universitätsstadt ist ein Zentrum deutsch-russischer Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen und russlanddeutscher Aktivitäten. Das Russisch-Deutsche Haus, unweit des Stadtzentrums, bündelt die Tätigkeiten von 13 Begegnungsstätten in den Siedlungen des Gebietes.


Kirchen
Auf dem Besuchsprogramm der Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im April 2006 Tomsk zu Gesprächen mit dem damaligen Präsidenten Russlands Wladimir Putin besuchte, stand auch die Einweihung der neu errichteten evangelischen St. Marienkirche, von der der deutschstämmige Gouverneur Viktor Kress sagt, das Gotteshaus werde künftig das geistig-kulturelle Zentrum aller Lutheraner in Tomsk und Region sein.

Zum Bau der Kirche - die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Vorgängerkirche war in der Sowjetzeit abgerissen worden - hatte die Stadt Tomsk im November vergangenen Jahres ein Grundstück zur Verfügung gestellt. In Rekordzeit von nur fünf Monaten wurde schließlich die neue Holzkirche gebaut, am 23. März 2006 wurde die Turmspitze auf das 26 Meter hohe Gotteshaus gesetzt.
Als Vorbild für die Marienkirche diente eine vor zehn Jahren in Karelien gebaute evangelische Kirche. 14 Millionen Rubel hat der Gebietshaushalt zum Bau beigesteuert, der Rest kam durch Spenden vor allem russlanddeutscher Unter-nehmer zusammen.

Migration Integration in Deutschland und Migranten - Reisen mit der Transibirischen Eisenbahn


Sonderwirtschaftszone
Tomsk ist inzwischen eine so genannte Sonderwirtschaftszone, in der nicht nur die Bewohner, sondern auch mögliche Investoren von Steuervorteilen profitieren sollen. Einen Aufschwung erhoffen sich die Verantwortlichen dabei vor allem für die örtliche High-Tech-Industrie.


Geschlossene Stadt Tomsk 7
Während des Kalten Krieges war Tomsk, wie viele andere Städte auch, eine geschlossene Stadt. Vor allem Ausländern wurde der Zutritt nicht erlaubt. 1949 wurde mit Tomsk 7 (oder auch Postfach 5) eine geheime Stadt nur wenige Kilometer von Tomsk entfernt gegründet, um die kerntechnische Anlage Tomsk zu bauen. Aus Tomsk 7 wurde später die Stadt Sewersk.
Hauptarbeitgeber der Stadt Sewerk ist heute die Chemieindusrie mit dem "Sibirischen Chemiekombinat GP" (SCGP) das 15.000 bis 20.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die kerntechnische Anlage ist Teil dieses Kombinates. Am 6. April 1993 kam es zu einem schwerwiegenden radioaktiven Unfall, bei dem ein Tank der SCGP während Reinigungsarbeiten mit einer hochradioaktiven Lösung explodierte.

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Quelle: Studentinnen und DAAD-Lektorinnen des 5. Und 4. Studienjahres (Frühjahr 2002) der Tomsker Staatlichen Pädagogischen Universität

Migration Integration in Deutschland und Migranten - Tomsk Universitätsstadt mit viel Kultur


Der "Tomsk Guide"

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Fotonachweise links:  Musikerin ©by Marion Kottlos, Berge by©Michael, Eisangler by©Marc Tollas, alte Frau ©by Ueli Gubler, Transs. Eisenbahn ©by Jerzy / alle von www.pixelio.de

 
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