Neue Projekte: Migration - Die Kunst der Netzwerkens - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Neue Projekte: Migration - Die Kunst der Netzwerkens

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Neue Projekte

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Thema: Neue Projekte


Die Kunst der Vernetzung

Migration, Integration in Deutschland, Migranten und Migrationshintergrund - migration und neue Projekte


Eine Modellbau AG in Heidenheim steht beispielhaft für die moderne Form des sozialen Netzwerkens - und das unermüdliche Engagement von Eduard Marker aus Kasachstan.

Im Grunde verbirgt sich die Geschichte hinter der Geschichte. Auf den ersten Blick handelt sie von einer Flugmodellbau-AG, wie es sie heute an vielen Schulen gibt. Jungs und Mädchen bauen mit ihrem flugbegeisterten Mathematik- und Physiklehrer in ihrer Freizeit Modellflugzeuge, die zum Lohn mit Erfinderpreisen gewürdigt werden. Die Jugendlichen lernen in der neu eingerichteten Schulwerkstatt mehr als im Lehrplan steht: Konstruieren, Sägen und Fräsen - also alle Stationen von der Entwicklung bis zur Fertigung. "Die meisten Schüler wissen, was sie nach der Schule studieren wollen", sagt der Lehrer Dr. Matthias Möbius. Nicht selten wählen sie die Ingenieurwissenschaften als Studienfach. Und wenn sie nicht studieren wollen oder können, erhalten Schüler bei Dr. Möbius eine gute Chance, sich eine hervorragende Grundlage für ihre Ausbildungen im technischen Bereich anzueignen.

Neben dem Engagement des Naturwissenschaftlers Möbius ist die Geschichte von Eduard Marker zu entdecken, der ein schönes Beispiel für die Kunst der Vernetzung sozialer Projekte ist. Eduard Marker, 36, kam 1993 mit seiner Familie aus einem Dorf in Kasachstan nach Deutschland. Er war damals gerade 19 Jahre alt. In seiner Kindheit hatte er gelernt, dass Deutschland nicht nur das Land seiner Vorfahren, sondern auch ein Land ist, in dem man sich mit viel Arbeit ein neues Leben aufbauen und den Reichtum an Möglichkeiten, den es hier gibt, positiv nutzen kann.

Heute, er lebt inzwischen mit seiner Familie in einem Dorf auf der Schwäbischen Alb, hat er die Regeln einer modernen Gesellschaft verinnerlicht: "Das eine ist ohne das andere nicht möglich", sagt er, und bezieht sich dabei auf den Zusammenhang zwischen Geldfluss und der Realisierungsmöglichkeiten von Projekten. Oft genug ist Geld da, aber zu selten wird es sinnvoll eingesetzt. Im Jahr 2005 gründet Marker mit russischsprachigen Einwanderern in der Stadt Heidenheim "Start e.V". Ziel sei es gewesen, die Potentiale, die seine Landsleute mit nach Deutschland gebracht hätten, die hier aber aus vielerlei Gründen keine Anwendung fänden, für soziale Projekte einzusetzen. Man erhalte so das befriedigende Gefühl, auch in der Fremde gebraucht zu werden und der Auswanderung einen Sinn über das eigene Wohl hinaus geben zu können. "Was wir mit dem Verein schaffen, das ist der beste Weg um Danke zu sagen für unser Leben hier".

Im Lauf der Jahre machte Eduard Marker über Start e.V. die russische Kampfsportart Sambo in der Region bekannt, fuhr jeden Abend mit ehemaligen Weltklassekämpfern in eine andere Halle, um mit Jugendlichen trainieren zu können. Kürzlich integrierte er Sambo als neue Abteilung in den größten Sportverein der Stadt und übernahm die Verantwortung für einen Imbisswagen in einer Konfliktzone der Stadt. Damit ist an dieser Stelle eine Art soziale Betreuung für Jugendliche gewährleistet.

Um wieder auf den Beginn dieser Geschichte zurückzukommen, erzählen wir kurz von Eduard Markers Geschick, öffentliche Unterstützung für seine Projekte zu erhalten. Um die AG Flugmodellbau im Max-Planck-Gymnasium Heidenheim, an der auch sein Sohn teilnahm, auf solide Beine zu stellen, trat er bei der Jugendstiftung Baden-Württemberg sowie dem Programm "Die Gesellschafter" von Aktion Mensch mit Start e.V. als Trägerverein auf, der Betreuer, Fahrer und Organisatoren bereitstellt. Die Jugendstiftung gab 6. 000 € und die Aktion Mensch 4. 000 €. Die Grundkosten der Schülerinitiative sind damit bis Ende Mai 2011 gesichert. "Mit beiden Stiftungen arbeiten wir seit sechs Jahren zusammen", sagt Marker; "insgesamt vier Projekte haben wir durch Projektarbeit finanziert." Ein wesentlicher Teil der Ausrüstung im  Start e.V. ist aus den Förder-Projekten entstanden. Die Jugendstiftung ist wichtigster Förderer von Start e.V.

"Wir wollen", sagt Marker, "das technikbegeisterte Jugendliche, egal welche Schulart sie besuchen, ihrem Hobby nachgehen können, ohne dass die Eltern viel Geld ausgeben müssen". Und Lehrer Matthias Möbius, der seit knapp zwei Jahrzehnten ausbildet, fügt an: "Was wir hier machen, ist weit mehr als im Lehrplan steht, wir geben Lebenserfahrung weiter." Und Jugendlichen eine Chance.

Nachtrag Januar 2012:

Eduard Marker hat seinen Job in der Industrie aufgegeben und arbeitet seit Ende 2011 als Streetworker der AWO un Giengen/Brenz.

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Maren Becker 14.12.2010



Migration Integration in Deutschland, Migranten und Migrationshintergrund - Modellflugzeug von Dr. Möbius
Migration Integration in Deutschland, Migranten und Migrationshintergrund - Dr. Möbius, die Schüler und Eduard Marker
Migration Integration in Deutschland, Migranten und Migrationshintergrund - Kunst de Netzwerkens

v.l.n.r. Dr. Möbius, Schüler und Eduard Marker

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