Geschichten über Menschen - Cecilia Achu, Operationen - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Geschichten über Menschen - Cecilia Achu, Operationen

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Geschichten über Menschen
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Luftpost aus Kamerun

Mit seiner Luftpost erzählt Ernst Elsenhans, 70, von seinem Leben in Bali, einem kleinen Dorf in Kamerun. Mit Kamerun verbindet den pensionierten Lehrer mehr als die Liebe zum afrikanischen Kontinent: Seine drei Kinder sind in Kamerun geboren. Im dritten Jahr unter-richtet der Naturwissenschaftler an der ältesten Schule des Bezirks Computerwissenschaften. In migmag erzählt Ernst Elsenhans von Menschen, die Teil seines Alltags in Bali sind.

migmag Geschichten über Menschen - Cecilia Achu


Cecilia Achu
In drei Teilen erzählen wir in migmag die Geschichte von Cecilia, einer jungen Frau aus Bali, die nach zwei schweren Verbrennungsunfällen den langen Weg in ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben findet.
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Teil 2: Operationen

An einem Sonntag im Februar 2008 war ich mit Pfarrer Richard Asanji zum Gottesdienst in Gungong, einem kleinen Dorf etwa 10 km westlich von Bali. Es wurden unter anderem Feldfrüchte im Gottesdienst versteigert, als Beitrag zu einer etwas verspäteten Erntedankgabe. Es sangen verschiedene Chöre, darunter der Jugendchor, in dem mir eine junge Frau mit einem völlig entstellten Gesicht auffiel. Nach dem Gottesdienst stellte mir der Pfarrer Cecilia vor, erzählte mir von ihrem Schicksal, und meinte, die Gemeinde wolle Geld sammeln für eine Operation, etwa 150 €.

Mir war gleich klar, dass dies nie geschehen würde, da die Gemeinde nicht einmal im Stande ist, ihren eigenen Kirchenneubau zu finanzieren. 150 € könnte ich schon aufbringen, dachte ich, wohl wissend, dass da noch ein ganzer Rattenschwanz von weiteren Kosten auf mich zukommen würde. Also holte ich mir erst einmal Rat bei zwei pensionierten Schweizer Krankenschwestern bzw. Hebammen, die in der Nähe wohnten. Dort erfuhr ich, dass in das katholische Krankenhaus St. Maria in Bamenda ab und zu spanische Ärzte für Spezialoperationen kämen. Als ich die Nachricht bekam, dass sie da seien, fuhren wir dorthin und trafen eine Ärztin, die aber Spezialistin für Kropfoperationen war. Wir wurden zu einem Krankenhaus mit Leprastation in der Nähe von Bafut geschickt, wo wir eine junge Kameruner Ärztin trafen, die meinte, so eine Operation könne nur in der Hauptstadt Jaoundé oder in Douala, dem Haupthandelsplatz, gemacht werden.

Der Beginn eines Märchens

Und dann begann eigentlich ganz überraschend das Märchen für Cecilia. Es kam nämlich die Nachricht, dass ein Team von "Interplast", einer Organisation Deutscher Ärzte für Plastische Chirurgie in der Dritten Welt, in das Spital von Ach-Tugi, ganz in der Nähe von Bali kommen, und kostenlos Operationen durchführen würde.

Über Radio erfuhren wir den Termin für die Anmeldung und fuhren mit einem Geländefahrzeug nach Acha-Tugi. (Die Straße dorthin ist sehr schlecht!) Es wurden die üblichen Laboruntersuchungen durchgeführt und ein Röntgenbild der linken Hand gemacht. Die Versorgung von Patienten wird in Kamerun von Verwandten gemacht, die mitfahren und auf Matten vor und unter dem Krankenbett übernachten. Cecilia hatte niemanden. Mit einiger Mühe fanden wir eine Krankenschwester aus Bali, die bereit war, gegen Bezahlung Essen zu besorgen und auch warmes Wasser zum Waschen am Morgen. Acha-Tugi liegt sehr hoch, etwa 1700 m, und es ist dort vor allem morgens grimmig kalt.

Acha Tugi liegt im toten Winkel des Telefonnetzes, und man kann nur von einer Stelle am Rande des Berges versuchen, mit dem Handy Kontakt zur Restwelt aufzunehmen. Auf diesem Wege hat Cecilia Kontakt zu mir gehalten und mich über den Gang der Dinge informiert. Sie wurde am linken Auge, dessen unteres Lid ganz nach unten hing, operiert. Ihr Mund, der teilweise zugewachsen war, wurde aufgeschnitten und innen wieder vernäht. An ihrer rechten Hand, wo der Ringfinger mit dem kleinen Finger verwachsen war, wurden diese voneinander getrennt. Von der Innenseite ihrer Oberarme wurden jeweils Hautstücke entnommen, um die "Reparaturen" vorzunehmen. An ihrer verkrüppelten linken Hand konnte leider nichts gemacht werden; die Ärzte diagnostizierten, sie sei zu sehr zerstört.

Anfang Dezember wurde Cecilia dann aus dem Krankenhaus entlassen.

Genau ein Jahr später kam das gleiche Ärzteteam wieder ins Grasland nach Acha-Tugi. Ich brachte Cecilia wieder dorthin für eventuellen Korrekturen. Die Ärzte haben am Mund noch etwas verbessert, so dass sie jetzt praktisch normal essen kann.

Zwischendurch hat Cecilia in einer privaten Klinik in Bamenda Kortisonspritzen in die verhärteten Narbenrückstände bekommen, die eine deutliche Erweichung und auch Rückbildung der schwarzen, schwartenartigen Schicht bewirkt haben. Inzwischen erhält sie dort eine Salbe, die die schwarze Schicht zum Teil ablässt. Sie ist sehr zufrieden mit diesen Veränderungen und steht manchmal eine Weile vor dem Spiegel und betrachtet ihr Aussehen mit Zustimmung.

Dieses Jahr ist das Ärzteteam wieder in Kamerun, aber weit entfernt von hier im Krankenhaus von Manyemen; es war vielleicht mehr als ein glücklicher Zufall, dass sie ausgerechnet die vergangenen zwei Jahre nach Acha-Zugi gekommen sind, praktisch vor unsere Haustür!

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Autor: Ernst Elsenhans



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Fotos: ©Ernst Elsenhans

 
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