Geschichten über Menschen - Anna Feh - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Geschichten über Menschen - Anna Feh

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Geschichten über Menschen
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Luftpost aus Kamerun

Mit seiner Luftpost erzählt Ernst Elsenhans, 70, von seinem Leben in Bali, einem kleinen Dorf in Kamerun. Mit Kamerun verbindet den pensionierten Lehrer mehr als die Liebe zum afrikanischen Kontinent: Seine drei Kinder sind in Kamerun geboren. Im dritten Jahr unter-richtet der Naturwissenschaftler an der ältesten Schule des Bezirks Computerwissenschaften. In migmag erzählt Ernst Elsenhans von Menschen, die Teil seines Alltags in Bali sind.


Anna Feh - eine außergewöhnliche Frau mit vielen Rollen

Unsere Einblicke in das kleine Dorf Bali in Kamerun wachsen mit jeder "Luftpost" von Ernst Elsenhans. Heute erzählen wir von Dinga Feh Anna Fombutu, kurz Anna Feh, die am Cameroon Protestant College Bali (CPC) als Sekretärin arbeitet.
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Anna Feh wurde 1969 geboren und ist an der Küste in Limbe zur Schule gegangen. Dort absolvierte sie im Youth Centre Limbe der Presbyterian Church ihre Ausbildung in Secretarial Duties. Von 1991 bis 2004 arbeitete sie im Sekretariat des Regierungsgymnasiums in Bali. Seit 2004 ist sie am CPC in Bali beschäftigt. In ihrem Sekretariat geht sie äußerst kompetent mit Computern und anderen technischen Geräten um. Ihre Pflichten als Sekretärin: sie organisiert den Schriftverkehr für den Chef; sie tippt und vervielfältigt die Prüfungsaufgaben für die Lehrer, die mit einem Computer nicht umgehen können; manchmal muss sie sogar das Schulgeld einsammeln, wenn die Verantwortlichen gerade nicht da sind - oder sie tröstet, wenn es nötig ist, wie eine Mutter die jüngeren Schüler.

Geschichten über Menschen - Anna Feh im Büro


Diese Arbeit ist aus mehreren Gründen für sie wichtig. Ihr Mann, Mr. Dinga Gub George, ist Lastwagenfahrer und zurzeit arbeitslos. So trägt Anna Feh mit ihrem Gehalt allein die Verantwortung für eine große Familie.

Anna Feh hat fünf eigene Kinder (drei Jungen und zwei Mädchen) und fünf adoptierte Kinder, die alle eine Schule oder Universität besuchen:
1.   Mark Nuwalla Tarkam studiert Biochemie im 3. Semester an der Universität in Buea,
2.   Faith Imunboi Dinga besucht die Klasse 3 der Government Bilingual High School (GBHS) Bali,
3.   Fombutu Bless Dinga besucht die Klasse 2 der GBHS Bali,
4.   Wubnyonga Veronique Dinga ist in der Primary School Bali,
5.   Dobgima Obama Benoit Dinga ist eineinhalb Jahre alt.

Geschichten über Menschen - Anna Feh mit ihrem Jüngsten


Ihre verstorbene Schwester hat ihr vier Kinder hinterlassen:
Eine jüngere Schwester hat Anna ihr Baby vor die Haustüre gelegt und ist davon gelaufen. Zudem sind drei jüngere Geschwister in ihrer Obhut:
Ihre jüngere Schwester Bobimwoh Evelyne Fombutu besucht das Lehrerseminar in Bambili; Bumlangmia Nelson Ndifor studiert an der Uni Buea; Mbongeh Victorine Ndansi besucht die Oberstufe des Regierungsgymnasiums in Bali. Auch sie lag als Baby eines Sonntags nach dem Gottesdienst vor Anna Fehs Tür. Die Eltern sind Verwandte von der Seite ihres Mannes. Sie haben sich einfach davon gemacht.
Es ist schwer vorstellbar, wie es Anna Feh mit ihrem schmalen Salär schafft, die Familie zu ernähren und jedes Kind auf eine Schule zu schicken. Es gelingt ihr. Und dies bei einem monatlichen Nettogehalt von rund 30,000 Fr. CFA oder rund 45 bis 50 EUR. Als ich diese Woche bei Anna Feh war, hat sie gerade mit ihrer Kinderschar hunderte von Muffins gebacken, sie nennen es "Banan Cakes". Diese werden an die wohlhabenderen Schulkinder für etwa 5 Eurocent verkauft. Damit bessert sie das Haushaltsgeld auf. Die Frauen auf dem Schulgelände dürfen ein bis zweimal im Monat Selbstgemachtes verkaufen.

Das Geld reicht dennoch kaum aus. Wenn das Schulgeld fällig ist, muss sie im College eine Anleihe machen, die sie nur mühsam zurückzahlen kann. Bei all dem stelle ich mir oft die Frage: Wie schafft es Anna, ihre Großfamilie zu ernähren? Sie erzählte mir, "um genug zum Essen zu haben, helfen die Kinder beim Pflanzen und Ernten auf den Feldern." Hier bauen sie Mais, Cassava (Maniok, eine ffelähnliche Wurzel), Erdnüsse, Yams (Riesenkartoffeln), Coco-Yam (große Kartoffeln) und Plaintains (Kochbananen) an. Anderes Gemüse und Fisch muss Anna Feh kaufen; die Hühner legen ein paar Eier; und manchmal gibt es Ziegenfleisch, wenn gerade eine Ziege geschlachtet wird.

Gibt es ein Leben neben Familie und Schule? - Ja! Anna Feh ist eine gute Sängerin. Sie leitet einen Frauenchor und singt in mehreren anderen Chören mit. Sie ist eine der Kirchenältesten in der College-Gemeinde. Seit 1993 arbeitet sie in den kirchlichen Frauengruppen mit und ist zurzeit Präsidentin der Frauengruppe im CPC Bali. Damit ist sie die "Chef-Hirtin" dieser Gruppe aus Lehrer- und Arbeiterfrauen. Sie besuchen regelmäßig Alte, Kranke und Einsame, - und ab und an gehen sie ins Frauengefängnis und bringen den Insassinnen Essen und Kleider. In Anna Fehs Haus treffen sie sich mehrmals abends "Prayer Groups" (Bibellese- und Gebetsgruppen) aus der Nachbarschaft. Aktuell bereitet Anna mit den Frauen die Feiern zum 50-jährigen Bestehen der Frauengruppen in Kamerun im November 2011 vor.


Vor längerer Zeit wurde ich gefragt, wie man Anna Feh helfen kann. Bei dem Gespräch mit ihr erzählte sie, dass sie unter asthmatischem Husten leidet, aber sich im Moment keine Behandlung leisten kann. Das wäre eine sinnvolle Möglichkeit, sie zu unterstützen. Auch würde ihr ein Zuschuss für das Schulgeld ihrer vielen Kinder helfen.

Als im Februar dieses Jahres für zwei Wochen eine Gruppe aus Deutschland in Bali war, haben sie einige Kleider und Schuhe da gelassen. Ich habe sie Anna Feh gezeigt und sie hat erst etwas ausgesucht. Schließlich fragte sie mich, ob sie alles mitnehmen dürfe. Ich stimmte zu. So hat jetzt jedes der vielen Kinder etwas Neues zum Anziehen.

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Fotos: ©Ernst Elsenhans

 
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