Geschichten über Migranten - zwei Lehrerinnen - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Geschichten über Migranten - zwei Lehrerinnen

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Geschichten über Migranten
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Migration Integration in Deutschland - Kurzportrait von Migranten in Deutschland - Ludmilla Iwanenko


Der lange Weg zum Glück
Sommerbegegnung: Zwei Lehrerinnen trotzen vielen Unwegsamkeiten
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Eine Begegnung im Sommer. Zwei Frauen warten auf ein Interview über ihr neues Leben in Deutschland. Beide sind Lehrerinnen, beide stammen aus Gebieten der ehemaligen Sowjetunion. Olga Voss wuchs in Sibirien, in Nowokusnezk, auf. Ludmilla Iwanenko stammt aus Jitomir in der Ukraine. Die beiden Orte sind tausende Kilometer voneinander entfernt. Diese Distanz aber ist weniger das Thema der Sommerbegegnung; vielmehr geht es um die Liebe zu ihrem erlernten Beruf, die auch in Deutschland trotz vieler Unwegsamkeiten nicht verblassen mag. Olga Voss unterrichtete 15 Jahre in Omsk, einer Stadt an der russischen Grenze zu Kasachstan, an der Hochschule Englisch und Deutsch und arbeitete in einem Reisebüro als Dolmetscherin. Englisch sei in russischen Städten zur zweiten Hauptsprache geworden. Das war lange Zeit ihr Glück. In Deutschland werden ihre Diplome jedoch nicht anerkannt. Ludmilla Iwanenko, die schon seit ihrem fünften Lebensjahr Klavier spielt und deren musikalische Leidenschaft in eine Ausbildung zur Klavierlehrerin mündete, erlebt das gleiche. Beide Frauen dürfen nicht in einer staatlichen Schule unterrichten. Ihr Geld verdienen sie mit Jobs, für die sie sich nicht zu schade sind.

Ludmilla Iwanenko brachte an der Musikschule in Jitomir 22 Jahre lang Kindern das Klavierspielen bei, "nach der berühmten russischen Methodik", erklärt sie. Die sei anders als die Unterrichtsformen in Europa; "sie ist ernsthafter", meint sie weiter. Der Verweis auf russische Persönlichkeiten in Musik und Ballett genügen. Die Pianistin kam vor acht Jahren mit der Familie nach Deutschland. Ihr Mann starb. Versuche, hier als Musiklehrerin angestellt zu werden, misslangen. Haben deutsche Schulen Angst vor der unbekannten Unter-richtsmethodik? Ein Lächeln. Ihre Tochter studiert in Stuttgart. Sie ist ihr Stolz.
Olga Voss kam 1995 mit zwei Kindern und mit ihrem Mann nach Deutschland. Er hatte im Gebiet Omsk im Bergbau gearbeitet, erhielt dann in Zeiten des politischen und wirtschaftlichen Umbruchs keinen Lohn mehr. In Heidenheim, ihrem neuen Zuhause, konnten und können sie in ihren früheren Betätigungsfeldern nicht mehr arbeiten. Ihrer Tochter hat sie mit auf den Weg gegeben: "Du musst hier weiter lernen." Sie soll sich nehmen, was der Mutter verwehrt blieb. Die Tochter studierte Pädagogik und fand eine Stelle. Der jüngere Sohn ist volljährig und steht am Anfang einer Ausbildung. Er wird sich anstrengen, einen guten Beruf zu bekommen - allein schon aus Respekt vor seinen Eltern.

Migration Integration in Deutschland - Kurzportrait von Migranten in Deutschland - Olga Voss


Mittlerweile haben beide Frauen in Heidenheim berufliche Nischen gefunden. Frau Voss hilft Schülern in einer Grund- und Hauptschule mittags bei den Hausaufgaben. Ludmilla Iwanenko lässt sich bei Kantorin Dörte Maria Packeiser zur Organistin umschulen. Es ist ein großes Glück für sie. Bald wird sie in der Kirche Konzerte geben. Beide Frauen haben sich ihrem Traum, irgendwann von dem, worin sie in der Heimat ausgebildet worden sind, in Deutschland leben zu können, ein Stück angenähert.
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Maren Becker

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