Geschichten über Migranten - Vladilen Molokov - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Geschichten über Migranten - Vladilen Molokov

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Geschichten über Migranten
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Migration, Integration Migranten in Deutschland - Vladilen Molokov früher



Ein Leben neu aufbauen -
Profisportler Vladilen Molokov lässt vier Jahrzehnte in
der Sowjetunion hinter sich

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Seine große Hand greift den Stift und schreibt auf den weißen Heftrand Namen von Persönlichkeiten, die seinen Lebensweg prägten - einmal in kyrillischen Buchstaben, freundlicherweise einmal in deutschen. Namen, die hier nur wenigen bekannt sind: Anatoli Chmelev, Alexandr Chosch, Alexandr Puschniza, "sie waren meine Vorbilder", sagt er und legt den Stift auf das Heft. "Haben Sie mich verstanden?"
Ein paar Minuten zuvor hat der große Mann mit dem sanften Lächeln noch die Herkunft seines Vornamens Vladilen erklärt. Dieser  setze sich aus den Anfangsbuchstaben des Revolutionärs und Gründers der Sowjetunion Vladimir Lenin Iljitsch zusammen. Es ist ihm wichtig, dies zu erklären. "Verstehen Sie?" fragt er eindringlich. Lenin und die spätere Sowjetunion sind Teil seines Lebens, das 1964 in Omsk in Sibirien begann und das ihn zu einem schwergewichtigen Berufssportler werden ließ.

Er begann in der fünften Klasse mit Eishockey, schaffte aber im Kampfsport die besseren Ergebnisse. Sein kraftvoller Körper war geschaffen für Ringen, Judo und Sambo, das 1923 unter Lenin von Rotarmisten entwickelt wurde um die waffenlose Nahkampfausbildung der Rotarmisten zu verbessern. Molokov sammelte Europa- und Weltmeistertitel und gewann "mehrfach die viel wichtigeren Militärwettkämpfe". Vladilen Molokov, der Berufsportler, besaß die pure Kraft, die beste Technik und die russische Kämpferseele. Metallene Abzeichen zierten seine Uniform.
Sein Leben war sorgenfrei. Er war Teil des sowjetischen Medaillenystems, bildete wie seine Vorbilder junge Kämpfer aus und behielt seinen Mittelpunkt: "Sambo war mein Leben", sagt Vladilen Molokov. Das galt über 30 Jahre lang.

Dann zerfiel die Sowjetunion, das Gerüst seiner Lebensgrundlage brach zusammen. Das Fundament trug nicht mehr. Er verließ seine Heimatstadt und das Leben in der aufgeräumten Sportwelt. Im Jahr 2002 konnte er mit Frau und Tochter ausreisen. Wohin? Er wählte Deutschland, "weil es hier sicher ist," so ssgt er.
In Deutschland kannten ihn Wenige. Die Kampfsportart Sambo ist hier noch weitgehend unbekannt und den Namen Vladilen Molokov umwehte nicht die Aura ungezählter Siegerkämpfe. In Deutschland musste er sein Leben neu aufbauen.

Er fand in Heidenheim einen Job, lernte in Kursen die deutsche Sprache und bekam durch Zufall wieder einen Zugang zum Sambo. Im Verein und im Landesverband trainiert er heute Jugendliche. "Unser Kapital sind unsere Kinder", sagt er sehr ruhig. Pause. Er unterrichtet Anfänger und Talente und musste selber lernen, dass in Deutschland viele Menschen eine andere Mentalität besitzen als in seinem Heimatland. Sein großes Wissen vom Kampfsport wird hier nur in kleinen Dosen abgefragt.
Die Berufsausbildung, erfuhr er, ist in Deutschland wichtiger als der Sport. Und was ist der Sport für ihn in Deutschland? Vladilen Molokov hebt den Kopf: "Sambo ist die Lücke in meiner Seele, in der ich nur für mich sein kann."
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Maren Becker

Migration, Integration Migranten in Deutschland - Vladilen Molokov heute
Migration Integration Migranten in Deutschland - Erinnerungen skizziert

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