Geschichten über Migranten - Secil Yaylali - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Geschichten über Migranten - Secil Yaylali

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Geschichten über Migranten
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Migration Integration in Deutschland und Migranten - Die türkische Migrantin Secil Yaylali baut mit Kindern Vogelhäuser für Zugvögel



Ein Heim für die Migranten der Lüfte

Die türkische Künstlerin Secil Yaylali baut mit Kindern in Berlin Vogelhäuser für durchreisende Zugvögel
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Man kann das Leben eines Vogels nicht mit dem eines Menschen vergleichen. Dennoch lässt sich das Bild des Zugvogels auf vielfältige Weise für die Betrachtung menschlicher Erfahrungen heranziehen.

Die Berliner taz schreibt im August 2010: "Secil Yaylali ist eine Migrantin im eigentlichen Sinne des Wortes: Sie wandert, nicht ein oder aus, sondern hin und her, lebt mal in Istanbul, mal in Amsterdam und zurzeit in Berlin." Die Vögel sind ein Synonym für das bewegte Leben Secil Yaylalis. Nach Monaten mit künstlerischen Workshops und Exkursionen baute die türkische Künstlerin in diesem Sommer am Kottbusser Tor zusammen mit Kulturmanagerin Anne Deschka und mit Kindern Vogelhäuschen für durchreisende Zugvögel. Die wurden an den Häusern rund ums Kreuzberger Zentrum angebracht und dienen den Vögeln als temporäres Zuhause. "Es geht um Toleranz", erklärt sie ihr Kinder-Kunstprojekt: "Es geht darum, Neuankömmlinge, Durchreisende, Fremde nicht sofort zu Außenseitern zu erklären."

Der Ursprung der Idee vom Quartier für Vielflieger reicht bis in die Zeit des Osmanischen Reichs zurück. Vogelhäuschen - errichtet entsprechend der Baukunst dieser Zeit - boten Zugvögeln, die dort nur für kurze Zeit verweilten, einen artgerechten Lebensraum. Das Berliner Projekt von Secil Yaylali ist ein Versuch, Gastfreundlichkeit sozusagen mit Zeit und Raum in Berlin-Kreuzberg anzusiedeln, in einen Kiez, in dem Menschen vieler verschiedener Kulturen zusammentreffen. Für viele von ihnen ist diese Geste der Gastfreundschaft gegenüber Fremden von großer Aussagekraft.

Migration Integration in Deutschland und Migranten - Vogelhäuser - symbolisch für den Migrationsprozess und die Zuwanderung


Die Vogelhäuschen bieten eine Möglichkeit, ein sensibles Thema zu verbildlichen. So beschreibt das Wort "Migration" ja eigentlich einen neutralen Prozess: nämlich die Bewegung von einem Ort zu einem anderen, manchmal über lange Strecken hinweg und nicht selten in großen Gruppen. Auch wenn dieser Begriff viele verschiedene Arten der Migration umfassen kann, so wird er meistens als Arbeitsmigration verstanden. Nicht viele Menschen bezeichnen sich selbst als "Migrant" oder "Zuwanderer" - aus Gründen der Arbeitssuche oder Karriereplanung.

Das Wort "Migrant" hat heute aber oft einen negativen Beigeschmack. Es ist ein Begriff, der meist jemandem zugeschrieben wird und nicht der Selbstbeschreibung dient: Menschen werden von Anderen als Migranten bezeichnet. Oder sie werden als Menschen "mit Migrationshintergrund" wahrgenommen, selbst wenn sie den Großteil ihres bisherigen Lebens hier verbracht haben oder gar hier geboren wurden.

Der Blick auf Vogelwanderungen und auf die ihnen zugrunde liegenden Muster kann nun zu einem größeren Verständnis von Migrationsprozessen führen. Sie regen dazu an, Migration mehr als einen neutralen oder sogar natürlichen Teil des Lebens zu begreifen und die zeitliche Komponente von Migration kritisch zu hinterfragen. Wie lange muss man an einem Ort gelebt haben, um nicht mehr als Migrant wahrgenommen zu werden? Ab der wievielten Generation verblasst der "Migrationshintergrund"?

Migration Integration und Migranten - Eine Heimat für Migranten, eine Heimat für Zuwanderer


Schon vor dem Übertritt der Türken zum Islam herrschte großes Interesse an den ver-schiedenen Vogelarten. Besonders im Koran wurde betont, dass Vögel eine der wenigen Tiere im Himmel waren und Tauben und Spatzen dabei geholfen haben, den Islam in der Welt zu verbreiten. Mit dem Übertritt zum Islam wurden die Vögel deshalb als heilige Wesen betrachtet und es wurden ihnen kleine Vogelnester oder Vogelhäuser in Form von Palästen oder Häusern errichtet. Dort fanden vor allem Spatzen und Tauben, aber auch Singvögel und Zugvögel Schutz. Zum Bau der Vogelhäuser wurden Materialien wie Mörtel, Stein und Ziegel genutzt; zur Dekoration fanden unter anderem Gips und Farbe Verwendung.

Die Vögel sollten sich in den Behausungen wohl und sicher fühlen. Die Vogelhäuser wurden an wettergeschützten Seiten der Gebäude in einer für Katzen und Menschen unerreichbaren Höhe angebracht, zum Beispiel an Fenstersimsen, Minaretten, Dächern und Vordächern. "Die Quartiere für Vielflieger", sagt Secil Yaylali, "sollen am Ende des Projekts als Nisthilfen im Kiez installiert werden und hoffentlich bald neue Gäste beheimaten". Schöner Nebeneffekt im Rahmen des Projekts "Quartier für Vielflieger": durch die neuen Vernetzungen der Anwohner soll sich die soziale und kulturelle Dynamik im Quartier weiter beleben.

Secil Yaylalis und Anne Deschkas Projekt wird vom Quartier Management Zentrum Kreuzberg unterstützt.
Das Quartier für Vielflieger kooperiert mit mehreren lokalen Vereinen und dem Berliner Naturschutzbund und wird mit Mitteln aus dem Programm "Zukunftsinitiative Stadtteil/ Soziale Stadt" gefördert.

Mehr Infos zum Projekt finden Sie hier: "Quartier für Vielflieger"

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Maren Becker


Projekt "Vogelnester"











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Fotos: Oben: ©by Christoph-Aaron-Pixelmaster; Mitte: © by Birgit Lieske; Unten links: ©by Ulla Trampert; Unten: ©by Augustine/www.pixelio.de
Fotos Projekt: ©by "Quartier der Vielflieger"

 
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